interview for the luxembourgish “Journal”

15 May

„Luxemburg ist dabei, die lateinamerikanische Musik zu entdecken“

4. Mai 2011

„Luxemburg ist dabei, die lateinamerikanische Musik zu entdecken“

Die Zahl junger luxemburgischer Musiker, die den Sprung an eine ausländische Musikhochschule wagen, wächst kontinuierlich. Noch erfreulicher ist jedoch der Umstand, dass viele dieser jungen Talente gewillt sind, auch beruflich im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Auf einem aufsteigenden Ast befindet sich die junge, luxemburgische Perkussionistin und Bandleaderin Jeanne Schmartz, die – aus beruflichen wie musikalischen Gründen – regelmäßig zwischen ihrer ehemaligen Studienstadt Rotterdam und ihrer Heimat Luxemburg hin und herpendelt.

Nach dem Abschluss der MiniTournee ihrer sechsköpfigen Band „Sonido Profundo“ durch Luxemburg traf das „Lëtzebuerger Journal“ die zielstrebige Musikerin, die ihre musikalische Heimat in der lateinamerikanischen Musik gefunden hat, zum Interview.

Lëtzebuerger Journal: Ist Jeanne Schmartz ein Südamerika-Fan?

Jeanne Schmartz: Ja, irgendwie schon. Ich wurde sozusagen über die Musik zum Südamerika-Fan. Bereits als Kind spielte die Musik eine wichtige Rolle für mich, ich hatte damals aber noch keine genauen Vorstellungen, in welche Richtung meine Begeisterung für die Musik mich lenken würde. Zuerst lernte ich klassische Perkussion und Geige; irgendwann begegnete ich auf meinem Weg einigen Congas (Handtrommeln afrikanischen Ursprungs, die in Lateinamerika, v.a. auf Kuba, in der traditionellen Folklore und populären Tanzmusik weit verbreitet sind, Anm. d. Red.). Nach bestandenem Abitur traf ich dann die Entscheidung, nach Rotterdam zu ziehen, um mich dort als Perkussionistin ausbilden zu lassen.

„Man muss viel ausprobieren“

L.J.: Die abgeschlossene Ausbildung ist nur ein Schritt; den Entschluss zu fassen, irgendwann als professionelle Musikerin sein täglich Brot zu verdienen, vermutlich der nächste. Haben Sie eine genaue Vorstellung davon, wie Sie sich im harten Musikbusiness als professionelle Musikerin etablieren können?

J.S.: Man muss auf jeden Fall viel ausprobieren. In Rotterdam wurde ich nicht nur zur Perkussionistin ausgebildet, sondern erhielt parallel dazu eine Ausbildung zur Perkussionslehrerin. Sollte es im Endeffekt nicht mit der professionellen Musikerkarriere klappen, kann ich immer noch auf das Standbein Musikunterricht zurückgreifen.

Ein erfolgreich abgeschlossenes Studium in Musikwissenschaften hilft mir außerdem, mein musikalisches Aktionsfeld zu erweitern. Ich habe mir beispielsweise meine eigene Band „Sonido Profundo“ aufgebaut, für die ich auch als Musikmanagerin tätig bin.

L.J.: Ist die Gefahr nicht groß, dass man als junge Musikerin in Luxemburg zu schnell den Traum einer professionellen Karriere zugunsten eines gutbezahlten Jobs als Musiklehrerin begräbt?

J.S.: Diese Gefahr besteht, ohne Zweifel. Momentan ist der nötige Wille jedoch nach wie vor vorhanden, als Profimusikerin den Durchbruch zu schaffen. Der Moment dazu ist vielleicht etwas schlecht gewählt, da im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise auch im Bereich der lateinamerikanischen Musik der Rotstift angesetzt wird. Viele Events und Musikfestivals sehen einer ungewissen Zukunft entgegen, da den meisten Veranstaltern die Sponsoren ausgehen.

„ Ich bin keine Diktatorin“

L.J.: Kommen wir zu Ihrer Band „Sonido Profundo“: wie angelt man sich als junge Frau fünf Männer auf einen Schlag?

J.S.: Bei meinen Bandmitgliedern handelt es sich um ehemalige Kommilitonen oder um Musiker, die ich im Laufe der Jahre bei unterschiedlichen Musikprojekten kennen gelernt habe. Die Grundidee zu „Sonido Profundo“ spukte bereits lange in meinem Kopf herum, ehe ich sie realisierte. Wichtig bei der Besetzung der Band war mir, dass ich mit meinen Musikerkollegen nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf menschlicher Ebene klarkommen würde. Außerdem verlange ich von meinen Bandmitgliedern, dass sie dazu bereit sind, sich verschiedene Stile zu erarbeiten, mit denen sie nicht so vertraut sind. Dass ich im Endeffekt die einzige Frau inmitten einer Männerschar bin, hat sich so ergeben.

Wir möchten uns nicht so sehr auf ein klassisches lateinamerikanisches Repertoire konzentrieren, sondern die Aufmerksamkeit unseres Publikums auf noch unbekanntere Schätze der lateinamerikanischen Musik lenken.

L.J.: Interessenskonflikte gibt es keine in der von einer Frau gelenkten Band?

J.S. (lacht): Ich entscheide schon, in welche Richtung wir mit „Sonido Profundo“ steuern; eine Diktatorin bin ich jedoch keinesfalls. Jeder einzelne Musiker darf den anderen Mitgliedern der Band seine eigenen musikalischen Vorschläge unterbreiten.

L.J.: Hat es die lateinamerikanische Musik schwer, den nahezu übermächtigen populäreren Musikgenres Paroli zu bieten?

J.S.: Man sollte erwähnen, dass die lateinamerikanische Musik in den Niederlanden einen viel höheren Stellenwert genießt als beispielsweise hier in Luxemburg. Natürlich trägt der hohe Anteil lateinamerikanischer Immigranten dazu bei, dass sich die latein-amerikanische Musik in Holland zu einem sehr populären Musikgenre entwickelt hat.

Das Publikum hierzulande ist gerade erst dabei, die lateinamerikanische Musik für sich zu entdecken. Ich glaube, dass die lateinamerikanische Musik hierzulande einen ähnlichen Entwicklungsprozess durchlaufen wird wie der Jazz vor einigen Jahrzehnten. Vielleicht wird die lateinamerikanische Musik in einigen Jahren genauso populär sein, wie es der Jazz schon heute ist. ‹

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